VERNETZEN

UND VERBESSERN

Vernetzen und
verbessern

Maschinen und Anlagen werden in Zukunft weltweit Daten über das Internet tauschen. Die technischen Grundlagen dafür liefert ADAMOS, eine Plattform, die Dürr zusammen mit Partnern entwickelt hat. Im Interview erläutert Vorstandsvorsitzender Ralf W. Dieter, warum das Projekt einen wichtigen Meilenstein für die gesamte Branche darstellt.

DIE PLATTFORM ADAMOS IST EIN WICHTIGES ZUKUNFTSPROJEKT FÜR DÜRR. WARUM?

Über digitale Plattformen lassen sich Maschinen vernetzen. Dadurch sind sie in der Lage, Informationen über das Internet auszutauschen, und können effizienter betrieben werden. Im Maschinenbau ist das ein wichtiger Trend, der die Zukunft der Branche entscheidend prägen wird. Diese Entwicklung wollen wir nicht anderen überlassen, sondern selbst mitgestalten.
 

IHRE MASCHINEN UND ANLAGEN KÖNNEN DOCH HEUTE SCHON DATEN SENDEN UND EMPFANGEN. WAS BRINGT ADAMOS?

Unsere Maschinen und Anlagen kommunizieren tatsächlich schon seit Jahren mit übergeordneten Leitsystemen, sogenannten Manufacturing-Execution-Systemen. Bisher ist das allerdings nur innerhalb einer Fabrik möglich – zukünftig weltweit über das Internet der Dinge. Produktionsprozesse lassen sich damit vergleichen, Maschinen und Anlagen aufeinander abstimmen und ihr Einsatz verbessern. Das ist das Hauptziel von ADAMOS.
 

WORAUS BESTEHT EINE DIGITALE PLATTFORM WIE ADAMOS?

Sie ist vergleichbar mit dem Betriebssystem eines Computers plus Datenbank, die vor Ort oder in einer sogenannten Cloud untergebracht ist – je nachdem, wie es der Kunde wünscht. Durch die vielen angeschlossenen Maschinen einer ganzen Fabrik müssen riesige Datenmengen schnell und sicher verarbeitet und gespeichert werden. Genau das ist die Aufgabe der leistungsfähigen Datenbank.


„ADAMOS ist vergleichbar mit dem Betriebssystem eines Computers plus Datenbank, die vor Ort oder in einer sogenannten Cloud untergebracht ist – je nachdem, wie es der Kunde wünscht.“

ES GIBT BEREITS ZAHLREICHE PLATTFORMEN – AUCH VON GROSSEN ANBIETERN. WARUM HABEN SIE SICH NICHT EINER BESTEHENDEN PLATTFORM ANGESCHLOSSEN?

Wir wollen nicht zu einem reinen Hardware-Lieferanten werden, der Maschinen verkauft, aber am Zukunftsgeschäft mit digitalen Diensten nicht beteiligt ist. Deswegen ist es uns wichtig, die richtigen Apps für unsere Kunden zu entwickeln. ADAMOS hilft uns als unabhängige Plattform für die digital vernetzte Produktion. Die sonstigen Plattformen haben sich auf bestimmte Softwares und Technologien festgelegt, teilweise aus dem eigenen Haus, teilweise von anderen Anbietern. Das macht sie unflexibel. ADAMOS verfügt dagegen über die Freiheit, jederzeit die beste verfügbare Lösung zu integrieren – das ist ein wesentlicher Mehrwert!
 

BIETEN SIE ALS MASCHINENBAUER DEN NUTZERN EINEN VORTEIL?

Ganz klar: ja! Niemand versteht die Produktionsprozesse unserer Kunden besser als wir. Schließlich bestellen sie bei uns innovative Anlagen für eine effizientere Produktion. Sie kennen und vertrauen uns, wir sprechen auf Augenhöhe miteinander. Dieses Domain-Know-how fließt in unsere Apps ein. Diesen Vorteil können nur die Maschinenbauer in die Waagschale werfen.

„Bei einem Projekt wie ADAMOS ist es gut, andere Partner mit im Boot zu haben. Unser Technologiepartner Software AG ist dafür hervorragend aufgestellt und der zweitgrößte Software-Konzern in Deutschland.“

WESHALB HAT DÜRR ADAMOS NICHT ALLEIN, SONDERN GEMEINSAM MIT ANDEREN UNTERNEHMEN ENTWICKELT?

Das war auch eine finanzielle Frage. Allein die Investitionen liegen bei rund 60 Mio. €. Für Dürr wäre so eine Investition zwar möglich, aber nicht sinnvoll gewesen. Bei einem Projekt wie ADAMOS ist es gut, andere Partner mit im Boot zu haben. Unser Technologiepartner Software AG ist dafür hervorragend aufgestellt und der zweitgrößte Software-Konzern in Deutschland.
 

WELCHE ROLLE SPIELEN DIE ANDEREN MASCHINENBAUER IM JOINT VENTURE?

Wir sind ein Club der Gleichgesinnten, spüren die gleichen Erwartungen der Kunden und diskutieren Geschäftsideen miteinander. Wir teilen außerdem bereits bestehende Software-Bausteine: Wer etwas besonders gut kann, erlaubt den anderen Partnern, diese Lösung für sich zu übernehmen. Das macht uns schneller und spart Entwicklungskosten. Das gleiche Ziel verfolgen wir auch mit der sogenannten App Factory: Die Partnerunternehmen stellen Entwickler und gemeinschaftlich bringen wir Apps auf den Weg, die noch nicht vorhanden sind.
 

AN WEN RICHTET SICH ADAMOS?

ADAMOS ist eine Plattform. Auf dieser Basis errichten Maschinenbauer ihren individuellen digitalen Marktplatz, über den ihre Kunden die Apps nutzen. Ein Marktplatz ist mit einer Homepage des Maschinenbauers vergleichbar, auf der man zum Beispiel Software oder Informationen sucht. Das könnte beispielsweise eine App zur vorausschauenden Wartung von Maschinen sein.


Die Gründungsmitglieder

der ADAMOS GmbH

Startschuss für ADAMOS: Die Vertreter der Gründungsunternehmen v.l.n.r: Christian Thönes, CEO der DMG MORI AG; Günter Lauber, CEO von ASM Assembly Systems; Ralf W. Dieter, CEO der Dürr AG; Jochen Peter, Geschäftsführer Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH, und Karl-Heinz Streibich, CEO der Software AG.


DÜRR HAT ALSO EINEN EIGENEN MARKTPLATZ?

Sogar zwei, LOXEO und tapio. Die auf LOXEO angebotenen Apps richten sich an Kunden der Marken Dürr und Schenck, tapio adressiert dagegen die holzbearbeitende Industrie. Alle ADAMOS-Gründungspartner haben ihre eigenen Marktplätze. Neben diesen Gesellschaftern wird es auch weitere Partner geben, die nur die Plattform für ihre Produkte nutzen. Auch sie werden durch ADAMOS zum Digital Enabler für ihre Kunden, ermöglichen diesen also eine vernetzte digitale Produktion. Dieses zusätzliche Netzwerk wird wesentlich größer sein, was für uns sehr wichtig ist.
 

WARUM?

Je mehr Unternehmen ihre Maschinen an ADAMOS anschließen, desto mehr Kunden können über die Marktplätze die Apps nutzen. Mit anderen Worten: Im Verbund ist es viel einfacher, die kritische Größe zu erreichen, die eine Plattform braucht, um wirtschaftlich zu sein.

„ADAMOS hat das Potenzial, der Branchenstandard im Maschinenbau zu werden, und das möchten wir nutzen.“

WELCHE PLATTFORMEN WERDEN ÜBERLEBEN?

Ich denke, dass nur wenige sich durchsetzen können. Übrig bleiben werden eine oder zwei Plattformen für einzelne Branchen oder Segmente. ADAMOS hat das Potenzial, der Branchenstandard im Maschinenbau zu werden, und das möchten wir nutzen.


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