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Illustration von Robotern und Karosserie

Interview: Ein Jahr Digital Factory

Dürr treibt den digitalen Wandel mit neuen Lösungen voran

Vor einem Jahr fiel der Startschuss: Dürr bündelte seine digitale Expertise in einer Digital Factory. Seitdem arbeiten die Digitalexperten des Unternehmens bereichsübergreifend an neuen digitalen Lösungen, um Prozesse und Produkte insbesondere für die Automobilindustrie zu optimieren. Dabei kombiniert Dürr Software-Kompetenz und Expertenwissen über Produktionstechnik und Fertigungsprozesse – ein Vorteil gegenüber reinen Software-Anbietern. Wie weit die digitale Transformation bereits fortgeschritten ist, beschreibt Dr. Annabel Jondral, Senior Manager Business Development & Pre Sales Digital Solutions bei Dürr.

WORAUF ZIELT DIE DIGITAL FACTORY VON DÜRR AB UND WAS BRINGT SIE IHREN KUNDEN?
Digitalisierung, Elektromobilität, autonomes Fahren – das sind die beherrschenden Trends in der Automobilbranche. Sie setzen die Hersteller unter starken Innovationsdruck. Entsprechend groß ist der Bedarf nach mehr Effizienz entlang der gesamten Wertschöpfungskette und steigender Flexibilität in der Produktion, verbunden mit einer immer höheren Anlagenverfügbarkeit. Eine Optimierung dieser sogenannten „Overall Equipment Efficiency“ erreicht man mit digitalen Lösungen, wie zum Beispiel Big-Data-Analytics-Anwendungen. Da wir als etablierter Maschinenbauer die Bedürfnisse unserer Kunden gut kennen, reagieren wir frühzeitig auf Veränderungen. Wir sind überzeugt, dass die Software in Zukunft einer der entscheidenden Faktoren sein wird, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit einer Maschine oder Anlage geht. Deswegen entwickeln wir in der Digital Factory bereits heute Produkte, um Anforderungen zu erfüllen, die die Märkte erst morgen an uns stellen werden.

Wir entwickeln in der Digital Factory bereits heute Produkte für die Anforderungen von morgen.

Dr. Annabel Jondral, Senior Manager Business Development & Pre Sales Digital Solutions bei Dürr

WIE KANN MAN SICH DIE DIGITAL FACTORY VORSTELLEN?
In der Digital Factory arbeiten die Softwareingenieure und Steuerungstechniker aus den Entwicklerteams aller Divisions der Dürr Systems AG räumlich und fachlich Hand in Hand. Mittlerweile sind das rund 100 Software-Experten, die ca. 20 Entwicklungsprojekte in der Pipeline haben. Statt nebeneinander zu forschen, arbeiten sie gemeinsam auf Ziele hin. Das erhöht die Schlagkraft im Bereich Software- und Steuerungsentwicklung und macht diese wesentlich schneller und effizienter. Geschwindigkeit zählt in dem Rennen, wer die vernetzte Welt der Zukunft gestalten wird.

 

  • Software-Experten der Digital Factory
    100

WO IST DER ZUSAMMENHANG ZWISCHEN DIGITALISIERUNG UND KONKRETEM KUNDENNUTZEN?
Neben Assistenzfunktionen, zum Beispiel in Form von Visualisierungen oder Anleitungen, geht es bei digitalen Lösungen oftmals darum, dynamisch Produktionsoptima zu bestimmen. Damit können wir in der Maschinen- und Anlagentechnik die letzten Feinheiten herauskitzeln, um etwas Gutes noch besser zu machen. Bislang war es beispielsweise schwierig, einen einzelnen Arbeitsschritt in einer Lackieranlage vollumfänglich zu analysieren und den Zusammenhang mit dem Lackierergebnis an dieser Stelle herzustellen. Hier setzen digitale Lösungen von Dürr an. Sie generieren die erforderlichen Daten und werten diese umfassend aus, sodass Prozesse bis ins Detail nachvollziehbar werden. Läuft etwas nicht rund, ist die Ursache sehr schnell erkennbar. Dadurch kann der Betreiber einer Lackiererei zielgerichtet eingreifen und vorausschauend Fehler vermeiden.

GIBT ES EINEN ERSTEN MEILENSTEIN?
Ein Highlight ist das erste in der Digital Factory entwickelte Produkt, das vor Kurzem zum Vertrieb freigegeben wurde. DXQequipment.maintenance V3 ist eine Software, die den Betreiber einer Lackiererei bei allen Wartungstätigkeiten unterstützt. Das Programm baut auf einem Vorgängerprodukt auf, das die präventive Instandhaltung eines einzelnen Roboters ermöglichte. Es wurde um die Verfahrens- und Fördertechnik erweitert, sodass jetzt die Wartungsaufgaben für sämtliche Anlagenteile einer Fabrik integriert sind. Alle Fälligkeiten werden auf einem Bildschirm angezeigt und in der Historie lückenlos dokumentiert. Das optimiert die Wartungsplanung und führt zu einer deutlich erhöhten Anlagenverfügbarkeit.

GIBT ES WEITERE BEISPIELE; WIE DIGITALE PRODUKTE PROZESSE VERBESSERN?
Die Echtzeitanalyse großer Datenmengen aus Maschinen und Anlagen ist eine Treibertechnologie für das sogenannte IIoT, also das Industrial Internet of Things. Mit DXQequipment.analytics stellen wir eine Lösung bereit, mit der Prozessdaten kontinuierlich erfasst, analysiert und ausgewertet werden können. Kombiniert man den DXQequipment.maintenance mit dem neuen Analysetool, wird aus einer präventiven Wartung eine prädiktive. Das bietet einen großen Vorteil: Da der tatsächliche Zustand einer Anlage im Betrieb analysiert wird, lässt sich beispielsweise ein drohender Ausfall eines Bauteils aufgrund seiner individuellen Abnutzung vorhersehen. Dank dieser Information kann vorbeugend agiert werden, sobald ein Ausfall droht und die Maschine ungeplant stillsteht. In diesem Sinne treiben wir den digitalen Wandel mit eigenen Innovationen aktiv voran und verstehen uns in der Maschinenbaubranche auch bei der Digitalisierung als Vorreiter.

MASCHINENBAU UND IT WACHSEN ZUSAMMEN. IST DÜRR AUF DIESE ENTWICKLUNG VORBEREITET?
Als Maschinen- und Anlagenbauer haben wir im Unterschied zu reinen Software-Unternehmen Daten unserer Maschinen und Anlagen direkt verfügbar. In der Digital Factory verbinden wir unser Domänen- und Prozesswissen mit unserer Software-Kompetenz. Am globalen Fußabdruck unseres Leittechnikangebots, der DXQcontrol, lässt sich beispielhaft erkennen, dass Dürr seine Automotive-Kunden seit geraumer Zeit mit Software-Produkten unterstützt. Die Leittechnik zur Produktionssteuerung haben wir in den vergangenen 20 Jahren in mehr als 180 Fabriken weltweit implementiert. Kernfunktionen dieser Software-Lösung bilden heute eine wichtige Basis unserer digitalen Produkte. Bereits im Jahr 2015 formulierten wir die Strategie digital@DÜRR mit den vier Kernbereichen Smart Products, Smart Services, Smart Processes und Smart Factories. Zusammen mit anderen führenden Maschinenbauunternehmen und der Software AG haben wir unter dem Namen ADAMOS die erste IIoT-Plattform speziell für den Maschinen- und Anlagenbau entwickelt.