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Mitarbeiter nutzen digitale Features auf eine Tablet

„Wir verbinden Effizienz und Nachhaltigkeit“

Vorstandschef Ralf W. Dieter und Stellvertreter Dr. Jochen Weyrauch über den Weg von der Werkstatt zum Weltmarktführer

Der Dürr-Konzern hat sich in den vergangenen Jahrzehnten massiv gewandelt. Er wächst nun stark im Feld der Elektromobilität und entwickelt für seine Kunden Künstliche Intelligenz, mit der diese ihre Fertigungsprozesse optimieren. Vorstandsvorsitzender Ralf W. Dieter und sein Stellvertreter Dr. Jochen Weyrauch, zuständig für das Automotive-Geschäft, erläutern die Erfolgsfaktoren.

Herr Dieter, Herr Dr. Weyrauch, 125 Jahre Dürr – was ist der rote Faden in der Unternehmensgeschichte?

Dieter: Die Familie Dürr stand stets für Kontinuität. Heinz Dürr ist eine Unternehmerlegende und unser Ankeraktionär. Seine Frau Heide und er sind Integrationsfiguren bei Dürr, ihre Tochter Alexandra gehört dem Aufsichtsrat an. Darüber hinaus ist es nicht einfach, einen Engineering-Konzern mit einem Handwerksbetrieb am Ende des 19. Jahrhunderts zu vergleichen. Trotzdem gibt es Kontinuitäten: Innovation, Qualität und Aufgeschlossenheit für neue Techniken. Und Dürr hatte immer gute Mitarbeiter.

Was ist im Geschäft mit der Automobilindustrie aktuell die größte Herausforderung?

Weyrauch: Ich sehe drei Haupttrends: die Digitalisierung, die Hinwendung zur Elektromobilität und die Aufgabe, Produktionsprozesse noch nachhaltiger zu machen. Unsere Strategie ist es, unsere Kunden bei allen drei Trends effektiv zu unterstützen.

Welche Chancen und Risiken tun sich dabei für Dürr auf?

Weyrauch: Die Chancen überwiegen ganz klar. Nehmen Sie die Elektromobilität. Hier begleiten wir unsere Kunden, indem wir Technologien speziell für die Produktion von E-Autos entwickeln, zum Beispiel den Lacktrockner EcoInCure oder Schleuderstände für den Test von E-Antriebskomponenten. Viele neue Produzenten von Batterieautos entscheiden sich für Dürr, weil wir Spitzentechnologie und Erfahrung verbinden. Das verkürzt die Time to Market. Wir haben durch die E-Mobilität über 30 neue Kunden gewonnen.

Ralf W. Dieter prägt als Vorstandsvorsitzender den Dürr-Konzern seit 15 Jahren.

Und die Digitalisierung? Befürchten Sie nicht, dass Software-Anbieter einen Teil Ihres Geschäfts übernehmen?

Dieter: Wir konzentrieren uns lieber auf unsere Stärken, als uns vor etwas zu fürchten. Bei der Digitalisierung sind wir gut aufgestellt, weil wir beides bieten: Software-Know-how und Shopfloor-Kompetenz, also das Wissen über die Produktionsprozesse in Automobilwerken. Dieses Wissen fließt in unsere Applikationen ein. Das bringt Betreibern von Lackierereien Vorteile: Sie bekommen eine Plug-and-play-Software, die man ohne großen Adaptionsaufwand einsetzen kann, weil sie von Leuten entwickelt wurde, die wissen, worauf es im Lackierprozess ankommt.

Weyrauch: Und diese Software ist State of the Art! Unsere DXQ-Analytics-Applikationen detektieren mit Künstlicher Intelligenz wiederkehrende Fehlermuster und optimieren so den Lackierprozess. BMW arbeitet zum Beispiel mit unseren Algorithmen, und wir waren einer der ersten Partner der Industrial Cloud von Volkswagen.

Bei der Digitalisierung sind wir gut aufgestellt.

Ralf W. Dieter, CEO Dürr AG

Für viele Automobilhersteller ist China der größte Einzelmarkt. Wie wichtig ist China für Dürr und welche Strategie verfolgen Sie dort?

Dieter: China ist unser größter Markt, und die E-Mobilität hat diesen Markt weiter dynamisiert. Auf dem Höhepunkt der globalen Pandemie hatte sich China schon wieder erholt und war ein wichtiger Stabilitätsfaktor für unsere Kunden und uns. Unsere China-Strategie beruht auf konsequenter Lokalisierung, sei es in Einkauf, Engineering oder Projektmanagement. Kunden finden für jedes Thema Ansprechpartner in der Landessprache. Unsere lokale Organisation beherrscht die Abwicklung von Großprojekten, das stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Sie haben die Fähigkeiten von Dürr in den vergangenen Jahren durch Akquisitionen ausgebaut, der Kauf der auf Holzbearbeitungstechnik spezialisierten HOMAG Group war 2014 ein Paukenschlag. In welchen Bereichen streben Sie weitere Zukäufe an?

Dieter: Der Kauf von HOMAG hat uns neben dem Automotive-Kerngeschäft ein weiteres Standbein verschafft. Wir kaufen zu, um unsere Kompetenzen in den eben genannten Fokusbereichen auszubauen: Digitalisierung und Automatisierung, Elektromobilität und Nachhaltigkeit. Zum Beispiel haben wir mit der Akquisition von Megtec/Universal im Jahr 2018 die Umwelttechnik gestärkt und uns in der Batteriezellenfertigung positioniert. Die Beteiligung an teamtechnik hat unser Automatisierungsprofil gestärkt und unser E-Mobility-Portfolio um Prüfsysteme für Elektro- und Hybridantriebe erweitert. Gleichzeitig können wir die Entwicklung von teamtechnik beschleunigen: bei der Digitalisierung, im Projektmanagement und mit unserer Finanzkraft.

Das Wort Nachhaltigkeit ist nun schon öfter gefallen. Warum ist Nachhaltigkeit wichtig für Dürr?

Weyrauch: Nachhaltigkeit verändert die Anforderungen der Kunden. Bisher war Effizienz der Maßstab für Investitionen. Nun fragen Kunden gezielt auch, wie unsere Produktionstechnik sie bei der Dekarbonisierung und der Verringerung des ökologischen Footprints unterstützt. Die Antwort ist: Dürr ist ein Enabler für nachhaltige Produktion. Mit Technologien wie dem EcoDryScrubber für die Trockenabscheidung von Overspray konnten wir den Energieverbrauch von Lackierkabinen um rund 60 Prozent senken. Nachhaltigkeit und Effizienz in der Produktion sind keine Gegensätze. Wir verbinden beides, das ist eine Chance.

Sie haben auch angekündigt, verstärkt in der Batterieproduktion mitzumischen.

Weyrauch: Um mehr E-Autos auf die Straße zu bringen, braucht es mehr Batteriefabriken, besonders in Europa. Dürr liefert komplette Linien für die Beschichtung von Elektroden für Li-Ion-Batterien. Wir sprechen hier nicht allein von der Coating-Technologie selbst, sondern auch von den Trocknern und Anlagen für Abluftreinigung und Lösemittelrückgewinnung. Hier spielt die Technologie von Megtec eine große Rolle.

Dürr ist Enabler für nachhaltige Produktion.

Dr. Jochen Weyrauch, Stellvertretender CEO Dürr AG

Wie ist Ihr Ausblick auf die nächsten Jahre?

Dieter: Zuversichtlich! Wir lassen Corona hinter uns und wachsen 2021 wieder profitabel. Die Autoproduktion steigt wieder, trotz der Lieferkettenprobleme bei Halbleitern und Elektrokomponenten. Unsere Kunden sind gut durch die Krise gekommen. Die Autobranche und ihr Produkt verändern sich, aber das Auto bleibt attraktiv. Die Menschen wollen individuelle Mobilität, und nachhaltige Autos sind der Schlüssel dazu.

Martina Bausch
Officer Online Magazine
Corporate Communications & Investor Relations
Dürr Aktiengesellschaft
Carl-Benz-Str. 34
74321 Bietigheim-Bissingen
Deutschland